Beschäftigung bei Demenz: Ideen, Tipps und alltagstaugliche Aktivitäten für zu Hause

Was tun, wenn ein Mensch mit Demenz Beschäftigung benötigt – und alles ablehnt? Ich habe das mit meiner Oma Hannelore selbst erlebt. In diesem Artikel teile ich mit dir, was bei uns funktioniert hat, was nicht, und was ich Angehörigen heute raten würde.

Wie alles begann – meine Geschichte mit meiner Oma Hannelore

Ich heiße Anna und ich habe meine Oma Hannelore durch ihre Demenz begleitet. Es war wahnsinnig hart. Aber ich habe auch wahnsinnig viel gelernt.

Das erste Mal gestutzt habe ich 2022, bei einem ganz normalen Besuch meiner Großeltern. Ich habe ihnen öfter Kuchen gebacken, unter anderem einen russischen Zupfkuchen – den mit den dunklen Flecken obendrauf, man erkennt ihn eigentlich sofort. An dem Nachmittag meinte meine Oma zu mir: „Was ist das? Sowas habe ich ja noch nie gesehen.“ Und ich dachte so: Hä? Den habe ich doch schon öfter gemacht?! Damals habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. Erst rückblickend wurde mir klar, dass das bereits die Demenz war.

Meine Oma konnte ihre Demenz nämlich eine ganze Zeit lang richtig gut überspielen. Wenn ihr Wörter fehlten oder nicht gepasst haben – was am Anfang für mich das stärkste Symptom war –, hat sie einfach umformuliert oder die Situation überspielt. Nur weil ich sie so gut kannte und damals fast täglich bei meinen Großeltern war, ist mir überhaupt etwas aufgefallen.

Richtig deutlich wurde es dann Anfang 2023. Meine Oma konnte plötzlich keinen Einkaufszettel mehr schreiben – sie, die immer alles im Griff hatte. Sie konnte sich einfach nicht mehr an die Wörter erinnern. Da fing ich an, die einzelnen Puzzlestücke zusammenzusetzen. Also habe ich versucht zu helfen. Aber sie wollte sich nicht helfen lassen. Wenn ich Dinge übernahm, wurde gemeckert. Sie wollte mitmachen, mitentscheiden, die Kontrolle behalten. Verständlich, oder?

Und dann starb auch noch mein Opa. Im Juli 2023, Leberkrebs, es ging alles sehr schnell. Er starb ausgerechnet an meinem 35. Geburtstag. Am Sterbebett habe ich ihm versprochen, dass wir uns um seine Mausi kümmern – das war seine größte Sorge. Nach seinem Tod wurde die Demenz bei meiner Oma richtig schlimm. Ihr Anker war weg und sie verlor den Halt.

Wir haben in dieser Zeit viel gestritten. Richtig gestritten. Ihre Laune schlug oft in Wut um, und ich habe jedes böse Wort persönlich genommen.

Eines Tages habe ich begriffen: Druck und Diskussionen machen alles nur schlimmer. Was meine Oma benötigte, war jemand, der sie auffängt und liebhat. Nicht bemitleiden, nicht alles durchgehen lassen, aber Verständnis und Liebe zeigen. Geduldig bleiben, auch wenn es schwer ist. Dabei hat mir etwas geholfen, womit ich gar nicht gerechnet hätte: Mutter sein. Als Mama lernt man, ruhig zu bleiben, wenn es laut wird, und Liebe zu geben, auch wenn alles dagegen spricht. Diese Resilienz, die ich durch meine Tochter aufgebaut hatte – die hat mir bei meiner Oma genauso geholfen.

Wir haben in diesem Prozess der schlimmer werdenden Demenz beide unsere Rollen verloren. Sie war nicht mehr meine Oma, die für mich sorgt und mit der ich so viel Spaß haben konnte. Und ich war nicht mehr ihre Enkelin – ich wurde zur strengen Pflegeperson und Lebensmanagerin. Genau wie sie ihre Identität Stück für Stück an die Demenz abgeben musste, musste ich meine Rolle als Enkelin gegen eine neue eintauschen, auf die mich niemand vorbereitet hatte.
Was mir aber half: Ich begann, die Demenz als etwas Eigenes zu sehen – getrennt von meiner Oma. Immer weniger Hannelore, immer mehr Demenz. Das klingt vielleicht seltsam, aber es hat mir geholfen, ihr nicht mehr böse zu sein. Nicht sie hat mich verletzt – es war das, was die Krankheit aus ihr gemacht hatte. Meine Oma, die ich kannte, hätte das nie getan. Das war mein ganz persönlicher Weg, mich abzugrenzen, ohne mich schuldig zu fühlen. Vielleicht hilft dir ein ähnlicher Gedanke – vielleicht findest du deinen eigenen.
Heute weiß ich: Die Phase am Anfang, in der alles abgelehnt und verleugnet wird, gehört dazu. Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel – damit du weißt, dass es nicht an dir liegt.

Russischer Zupfkuchen mit angeschnittenem Stück auf einem Küchentisch – der Moment als die ersten Anzeichen von Demenz sichtbar wurden

Was Beschäftigung bei Demenz wirklich bringt

Menschen mit Demenz können sich mit der Zeit immer weniger selbst beschäftigen. Schon das Bedienen der Fernbedienung kann zu kompliziert werden, die Bilder im Fernsehen können nicht mehr richtig verarbeitet werden. Wörter in der Zeitung oder in Büchern verlieren ihre Bedeutung und Hobbys werden aufgegeben, weil man merkt, dass es nicht mehr so geht – und sich dafür schämt. Ohne Impulse von außen ziehen sich viele zurück – und vorhandene Fähigkeiten verkümmern schneller.

Passende Beschäftigung gibt dem Tag Struktur und schafft Momente, in denen man sich wieder nah ist. Es geht nicht um Gehirntraining oder darum, die Demenz aufzuhalten – es geht darum, dass sich der Tag für alle ein wenig besser anfühlt.

Bei meiner Oma habe ich gemerkt: An Tagen, an denen wir etwas zusammen gemacht haben, war sie ruhiger, zufriedener – und ich, offen gesagt, auch. Beschäftigung ist nicht nur für den Menschen mit Demenz gut. Sie hilft auch dir, weil sie dem gemeinsamen Alltag wieder einen Sinn gibt.

Beschäftigung kann auch aus Schleifen heraushelfen. Meine Oma hatte eine Phase, in der sie immer wieder dieselben Dinge tat – zur Tasche gehen und den Inhalt kontrollieren, im Kalender die Termine lesen, zum Briefkasten laufen, das Geld zählen. Immer und immer wieder, wie in einer Endlosschleife. Das ist bei Demenz vollkommen normal, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Was geholfen hat: Den Fokus sanft weglenken. Nicht „Hör auf damit“, sondern „Komm, wir machen zusammen etwas.“ Manchmal hat das gereicht, um den Loop zu durchbrechen.

Und es geht nicht nur um dich. Wenn eine Betreuungskraft mit deinem Angehörigen im Haus lebt – ob 24-Stunden-Pflege, ambulanter Dienst oder Betreuungsdienst –, benötigen auch diese Menschen gutes Material und Ideen. Bei meiner Oma hatten wir wechselnde Pflegerinnen, die mit im Haus gelebt haben – rund um die Uhr, Tag für Tag. Auch für sie war es wichtig, sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten zu haben, statt die gemeinsame Zeit einfach nur abzusitzen. Eine Pflegerin oder ein Pfleger, die gutes Material an die Hand bekommen, können den Alltag für alle besser gestalten.

Offene Handtasche mit Geldbörse, Münzen, Kalender und Schlüsseln auf einem Küchentisch – wenn Menschen mit Demenz in Endlosschleifen feststecken

Woran du gute Beschäftigung erkennst

Nicht überfordern, nicht unterfordern.
Das richtige Maß hängt vom Stadium ab – und von der Tagesform. Was gestern funktioniert hat, kann heute zu viel sein. Sei flexibel.

Kein Leistungsdruck.
Wenn dein Angehöriger Freude hat, ist das Ziel erreicht. Das Puzzle muss nicht fertig werden, der Kuchen nicht perfekt sein.

An die Biografie anknüpfen.
Was hat dein Angehöriger früher gerne gemacht? Eine begeisterte Köchin erkennt vielleicht noch den Duft ihres Lieblingsgerichts. Ein ehemaliger Handwerker greift sicher zum Schraubenzieher. Ein begeisterter Gärtner hat vielleicht noch Freude daran, Erde in den Händen zu spüren. Diese alten Handgriffe sitzen oft tiefer, als man denkt.

Kurze Einheiten.
15 bis 30 Minuten reichen oft völlig. Lieber kurz und schön als lang und anstrengend. Du wirst spüren, wann es genug ist.

Gemeinsam statt nebeneinander.
Die schönsten Momente entstehen, wenn ihr etwas zusammen macht – nicht, wenn du eine Aufgabe „stellst“ und daneben sitzt. Setz dich dazu. Mach mit. Das verändert alles.

Brücken bauen.
Ich habe meiner Oma oft das Gefühl gegeben, dass sie noch entscheidet. Manchmal habe ich Dinge dann anders gemacht als besprochen – aber sie hatte ihren Moment der Selbstbestimmung. Das war wichtiger als die Wahrheit.

Sprache anpassen.
Meine Oma hat das Wort „Pflege“ gehasst. Sie brauchte keine Pflege, sie war doch nicht krank! Also haben wir es umbenannt: Sie wird nicht „gepflegt“, sie wird „betreut“. Ist es nicht eigentlich ganz schön, bekocht und umsorgt zu werden?

Material neutral verpacken.
Viele Betroffene leugnen ihre Erkrankung und lehnen alles ab, auf dem „Demenz“ steht. Eine Freundin hat unser Heft mit einem neutralen Umschlag versehen, bevor sie es ihrer Mutter gab. So einfach, so wirkungsvoll. Wenn du merkst, dass dein Angehöriger empfindlich auf das Thema reagiert – verpack das Material einfach neutral.

Landschaftspuzzle mit großen Teilen und zwei Kaffeetassen auf einem Holztisch – gemeinsame Beschäftigung bei Demenz

Alltagstaugliche Ideen, die wirklich helfen können

Kochen und Backen
Kochen ist eine solch dankbare Beschäftigung, weil sie einfach alles stimuliert: Es duftet, man hat was in den Händen, man kann probieren. Dein Angehöriger muss nicht das ganze Rezept überblicken – einfache Teilaufgaben reichen:

  • Gemüse waschen und sortieren
  • Teig kneten oder rühren
  • Kartoffeln oder Äpfel schälen
  • Plätzchen ausstechen
  • Zutaten in eine Schüssel geben

Meine Oma hat bis fast zuletzt Kartoffeln geschält wie eine Eins. Das war ein Handgriff, der so tief saß, dass die Demenz ihn nicht erreicht hat. Und sie war sichtbar stolz dabei. Solche Momente zeigen: Es steckt noch so viel in diesen Menschen, auch wenn vieles andere nicht mehr geht.

Einmal wollte sie mich mit Pudding füttern. Die Pflegerin hatte ihr welchen gegeben, ich saß daneben – und meine Omas erster Impuls war, mir den Löffel herüberzuschieben. Typisch Oma: Immer die Enkelin füttern und versorgen wollen. Die Demenz hatte vieles genommen, aber das nicht. In solchen Momenten dachte ich: Da bist du ja noch, Oma.

Was immer ging: Essen. Gemeinsame Mahlzeiten waren bis zum Schluss ein Ankerpunkt im Tag. Und Nachtisch – der war immer ein Höhepunkt. Unterschätze nie die Kraft einer gemeinsamen Mahlzeit.

Haushalt
Wäsche zusammenlegen, Socken sortieren, den Tisch decken – Handgriffe, die über Jahrzehnte automatisiert wurden und oft noch lange funktionieren. Nimm deinem Angehörigen nichts vorschnell ab. Ja, es dauert länger. Ja, die Wäsche ist am Ende nicht perfekt gefaltet. Aber das Gefühl, gebraucht zu werden, wiegt mehr als ein perfekt gefaltetes Handtuch.

Ausmalbilder
Was bei meiner Oma erstaunlich zuverlässig funktioniert hat: Ausmalbilder. Gemeinsam ausmalen, dabei etwas helfen – und am Ende hat sie die Ergebnisse allen stolz präsentiert. Dieses Gefühl, etwas geschaffen zu haben, das man zeigen kann – da hat sie jedes Mal richtig gestrahlt. Deshalb gibt es bei HannaCare am Ende jedes Themas im Heft ein Ausmalbild.

Ein Tipp, der den Unterschied macht: Fang einfach selbst an. Nimm dir ein Ausmalbild oder ein Rätsel und mach es vor. Nicht: „Hier, das ist für dich, jetzt musst du Übungen machen.“ Sondern: „Oh, das ist ja ganz nett – möchtest du mitmachen?“ Der Unterschied ist riesig. Kein Druck, keine Aufgabe, sondern eine Einladung. Bei meiner Oma hat das viel besser funktioniert als jedes „Komm, jetzt musst du Übungen lösen.“

Handwerken und Werkeln
Ein Thema, das in vielen Demenz-Ratgebern zu kurz kommt: Was ist mit Menschen, die ihr Leben lang in der Werkstatt standen? Schrauben, schleifen, zusammenbauen – das sitzt genauso tief wie Kartoffelschälen.

  • Schrauben sortieren, Muttern auf Gewinde drehen
  • Holz schleifen (ohne scharfe Werkzeuge)
  • Einfache Dinge zusammenschrauben oder auseinandernehmen
  • Werkzeug sortieren und ordnen
  • Ein Vogelhaus oder einen einfachen Rahmen bauen

Sicherheit geht vor: keine scharfen Sägen, keine Elektrowerkzeuge ohne Aufsicht. Aber innerhalb eines sicheren Rahmens darf und soll gewerkelt werden. Es geht immer um den Menschen und seine Geschichte, nicht um Klischees. Eine Frau, die früher gerne gewerkelt hat, freut sich über eine Schleifarbeit genauso wie ein Mann über gemeinsames Backen.

Gartenarbeit und Natur
Erde in den Händen, Sonne auf der Haut, frische Luft. Selbst ohne Garten: Blumen auf dem Balkon umtopfen, Kräuter gießen, Vogelfutter aufhängen oder einfach draußen sitzen und die Vögel beobachten, kann schon viel bewirken.

Gartenarbeit hat außerdem den Vorteil, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Ein Loch in die Erde buddeln, Samen reinlegen, gießen – das funktioniert auch bei fortgeschrittener Demenz noch.

Hände mit Gartenhandschuhen pflanzen Stiefmütterchen in einen Terrakottatopf – Gartenarbeit als Beschäftigung bei Demenz

Rätsel und Gedächtnisübungen:
Gemeinsam knobeln statt abfragen

Rätsel können bei leichter bis mittlerer Demenz viel Freude bereiten – vorausgesetzt, sie machen keinen Druck. Es soll sich anfühlen wie ein Zeitvertreib, nicht wie eine Prüfung.

Was funktioniert:

  • Einfache Kreuzworträtsel mit alltäglichen Begriffen
  • Sprichwörter ergänzen („Wer den Pfennig nicht ehrt…“)
  • Bilderkarten zuordnen – Obst, Tiere, Berufe
  • Wortfindungsübungen („Was fällt dir zum Frühling ein?“)

Was du vermeiden solltest:

  • Zeitdruck jeder Art
  • Übungen, die das Kurzzeitgedächtnis testen – das führt nur zu Frustration

Als ich nach passenden Übungen für meine Oma gesucht habe, war ich offen gesagt enttäuscht von dem, was es gab. Aber dazu später – denn genau diese Enttäuschung hat am Ende zu etwas Gutem geführt.

Beistelltisch mit Digitaluhr, Medikamentenbox und handgeschriebenem Zettel – Orientierungshilfen im Alltag mit Demenz

Musik: Klappt nicht immer – und das ist okay

In vielen Ratgebern liest du, dass Musik bei Demenz Wunder wirkt. Dass vertraute Melodien Regionen im Gehirn erreichen, die von der Demenz lange verschont bleiben. Dass Menschen, die kaum noch sprechen, plötzlich mitsingen können. Das stimmt alles – es kann so sein. Muss es aber nicht.

Bei meiner Oma habe ich alles versucht: Musik von früher, Volkslieder, Schlager. Sie fand alles doof. Einfach so. Musik war überhaupt nicht mehr ihr Ding.

Wenn Musik bei euch funktioniert:

  • Volkslieder, Schlager, Kirchenlieder – je nachdem, was früher gerne gehört wurde
  • Gemeinsam singen wirkt stärker als nur Zuhören
  • Einfache Rhythmusinstrumente einbeziehen – Klöppel, Rasseln, auf den Tisch klopfen
  • Musik als festes Ritual zur gleichen Tageszeit gibt Struktur

Und wenn nicht? Dann ist „Kartoffeln schälen“ vielleicht euer Lied.

Erinnerungspflege: Vorsicht, kann auch wehtun

Fotoalben, alte Gegenstände, Geschichten von früher – das wird in fast jedem Demenz-Ratgeber empfohlen. Und bei manchen Menschen funktioniert es wunderbar. Das Langzeitgedächtnis ist bei leichter bis mittlerer Demenz oft noch erstaunlich intakt.

Was du ausprobieren kannst:

  • Gemeinsam Fotoalben anschauen und erzählen lassen
  • Gegenstände von früher in die Hand nehmen lassen
  • Selbst etwas erzählen und eine Pause lassen – die Erinnerung benötigt manchmal länger, aber sie kommt

Aber Achtung: Bei meiner Oma hat Erinnerungspflege nicht funktioniert. Fotos und Gegenstände von früher haben bei ihr zu Irritation und Trauer geführt, nicht zu schönen Momenten. Sie hat gespürt, dass da etwas war, das sie nicht mehr greifen konnte – und das hat sie traurig gemacht. Ich habe es dann gelassen. Das war für uns die richtige Entscheidung.

Hör auf dein Bauchgefühl. Wenn du merkst, dass Erinnerungspflege deinen Angehörigen mehr belastet als bereichert, dann lass es sein.

Bewegung: Raus aus dem Kopf, rein ins Spüren

Bewegung muss nicht Sport heißen. Ein Spaziergang um den Block, leichte Gymnastik am Stuhl oder einfach gemeinsam draußen stehen und die Luft einatmen – all das zählt. Bewegung baut Unruhe ab und fördert den Schlaf.

  • Kurze Spaziergänge – immer dieselbe Route gibt Sicherheit
  • Sitzbewegungen zu Musik
  • Einen Ball hin- und herwerfen
  • Tanzen – Hauptsache, es macht Spaß

Wichtig: Sturzgefahr beachten. Festes Schuhwerk, ausreichend Licht und freie Wege sind wichtiger als die Aktivität selbst.

Wenn alles abgelehnt wird

Es wird Tage geben, an denen nichts geht. Kein Rätsel, kein Spaziergang, kein Lied. Das ist frustrierend, aber normal. Demenz verläuft nicht linear – gute und schlechte Stunden wechseln sich ab.

Zur ersten Adventszeit ohne meinen Opa wollte ich meiner Oma eine Freude machen und habe ihr einen teuren Pralinen-Adventskalender geschenkt. An Tag 3 waren bereits alle 24 Pralinen aufgenascht. Ziemlich naiv von mir, zu glauben, dass das Konzept „ein Türchen pro Tag“ bei Demenz noch funktioniert. Aber sie hatte Freude an jeder einzelnen Praline und ich habe dazugelernt. Manchmal läuft es halt anders als geplant. Und manchmal ist das auch okay.

An den wirklich schweren Tagen ist die beste Beschäftigung manchmal einfach: Da sein. Nebeneinander sitzen. Den Regen beobachten. Eine Hand halten. Für einen Menschen, dessen Welt immer kleiner wird, kann deine ruhige Anwesenheit der größte Anker sein.

Und vergiss dich selbst dabei nicht. Wenn du merkst, dass du am Limit bist – hol dir Hilfe. Das ist Selbstfürsorge, kein Versagen. Nur wenn es dir gut geht, kannst du für deinen Angehörigen da sein.

Warum daraus HannaCare entstanden ist

Du hast in diesem Artikel gemerkt: Ich sage oft „Das hat bei uns nicht funktioniert“. Musik – abgelehnt. Erinnerungspflege – hat wehgetan. Adventskalender – an Tag 3 leer. Und trotzdem habe ich weitergemacht. Weiter ausprobiert, weiter gesucht.

Irgendwann stand ich vor der Frage: Was mache ich mit all der Erfahrung und dem Wissen? So viel Zeit, so viele Versuche, so viele Abende, an denen ich dachte: Das muss doch irgendwohin führen. Die Zeit mit der Demenz sollte nicht umsonst gewesen sein.

Als ich nach Rätseln und Übungen für meine Oma suchte, war vieles zu kindlich – als würde man einem Erwachsenen ein Kleinkind-Puzzle geben. Oder zu lieblos gestaltet. Hannelore war eine erwachsene Frau mit einem reichen Leben. Sie verdiente Material, das ihre Würde respektiert.

Gleichzeitig brauchten auch unsere Pflegerinnen Ideen. Sie haben mit meiner Oma im Haus gelebt, und auch ihnen wurde manchmal langweilig – nicht aus Faulheit, sondern weil es schlicht an Ideen und geeignetem Material fehlte, um die gemeinsame Zeit sinnvoll zu füllen.

So entstand HannaCare. Unser Heft „Schöne Momente trotz Demenz“ enthält Rätsel, Übungen und Ausmalbilder, die sich an Alltagsthemen orientieren – vom Morgen bis zum Abend. Nicht weil die Welt noch ein Produkt gebraucht hätte, sondern weil ich selbst etwas gebraucht hätte, das es so bisher nicht gab.

Mockup des HannaCare Beschäftigungshefts mit Kreuzworträtsel auf der Innenseite.

Häufige Fragen zum Alltag mit Demenz zu Hause

Warum ist Beschäftigung bei Demenz so wichtig?

Beschäftigung bei Demenz hilft nicht nur dabei, Zeit zu füllen. Sie kann Sicherheit geben, den Alltag etwas strukturieren und schöne gemeinsame Momente schaffen. Viele Menschen
mit Demenz fühlen sich dadurch weiterhin einbezogen und nicht nur versorgt.

Was tun, wenn Menschen mit Demenz Beschäftigung ablehnen?

Wenn Menschen mit Demenz Beschäftigung ablehnen, steckt dahinter oft keine grundsätzliche Abwehr, sondern eher Überforderung, Unsicherheit oder einfach ein
ungünstiger Moment. Dann hilft es meist mehr, selbst ruhig mit einer Tätigkeit zu beginnen, statt Druck aufzubauen. Häufig entsteht Mitmachen ganz nebenbei.

Welche Beschäftigung eignet sich bei fortgeschrittener Demenz?

Bei fortgeschrittener Demenz eignen sich vor allem einfache, vertraute und sinnliche Beschäftigungen. Musik hören, Fotos anschauen, weiche Materialien in der Hand halten,
gemeinsam falten, schälen oder ruhig beieinandersitzen kann sehr wohltuend sein. Es geht dabei weniger um Leistung als um Sicherheit, Nähe und ein gutes Gefühl.

Entdecke unser Beschäftigungsheft

Mockup des HannaCare Beschäftigungshefts mit Kreuzworträtsel auf der Innenseite.

Rätsel, Übungen und Ausmalbilder für schöne
gemeinsame Momente trotz Demenz.

Anna und ihre Großmutter Hannelore schauen gemeinsam in die Kamera.

Ich teile, was ich selbst gern früher gewusst hätte

Ich bin Anna. Ich habe meine Oma durch ihre Demenz begleitet und teile in 5 Mails die 25 Alltagstipps, die ich gerne früher gehabt hätte – ehrlich, praktisch und aus eigener Erfahrung. Danach bekommst du regelmäßig weitere Impulse, Tipps und garantiert keinen Spam.

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